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Die Suche geht weiter ... Lange Reisen ist Christopher von Deylen gewohnt. Für sein letztes Album „Sehnsucht“ fuhr er in einem alten Volvo Amazone 20.000 Kilometer von Berlin nach Kalkutta. Nun geht der Komponist auf Expedition. Mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ ist er seit dem 10. Juli in der Arktis unterwegs. Als Mitglied eines Teams um Dr. Volker Ratmeyer vom MARUM, dem Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, packt er mit an, wenn es gilt, die Einsätze des Tauchroboters QUEST durchzuführen. Zudem dokumentiert der Künstler mit Kamera und Camcorder die Aktivitäten an Bord in einem Blog (siehe unten). Unterwegs auf einem modernen Forschungseisbrecher in einer faszinierenden Landschaft – das ist eine spannende Herausforderung. – Am 3. August wird die Expedition unter der Leitung von Dr. Michael Klages vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Reykjavik/Island zurück erwartet.
das anfliegen der einzelnen stationen gestaltet sich mitunter recht komplex. da die sichtweite in der tiefe teilweise nicht viel mehr als 5 meter betraegt, ist eine genaue positionsbestimmung der ziele notwendig. diese kann unter anderem durch peilverfahren oder mittels sonar erfolgen. alle im container anwesenden starren gebannt auf den entsprechenden sonar-bildschirm mit dem charakteristischen orange-farbenen faecher. oft verbirgt sich hinter einem verheissungsvollen signal nur ein grosser stein, dann geht die suche weiter. diese prozedur kann zur echten herausforderung werden. viel geduld und konzentration sind gefragt. wenn sich auf dem high-definition flatscreen im dunkelblau der tiefe die schemen einer zielstation abzeichnen, geht ein deutlich vernehmbares aufatmen durch den van. es ist kurz vor drei uhr morgens. anh und ich gehen kurz in 'messe 2' auf dem C-deck und holen eine frische ladung kaffee. volker und patrick fliegen den quest.
ich lege meine rechte hand an den 'puck' und fliege den quest in 2 metern hoehe ueber den meeresgrund. mit der linken hand beruehre ich ab und zu den touchscreen, ueber den die geschwindigkeit der thruster-motoren geregelt wird. ein leises 'beep' ertoent. dann richte ich die augen auf den bildschirm-kompass, der die flugrichtung anzeigt. langsam gewoehne ich mich an die reaktionszeiten des quest. die steuerung ist sehr sensibel, da wechselnde stroemungen die lenkbewegungen beeinflussen. eine gewisse traegheit muss beachtet werden. man muss aufpassen, dass man beim fliegen das kabel nicht zu weit verdreht. zum glueck gibt eine anzeige aufschluss ueber den grad der drehung.
der zeitpunkt zum auftauchen rueckt naeher, vorher muss ein letztes mal eine station angeflogen werden. der sogenannte 'fahrstuhl' vom max-planck institut fuer marine mikrobiologie in bremen. ein zwei tonnen schweres geraet, welches passenderweise auf den namen 'colossus' hoert. in seinem transportkaefig werden diverse messinstrumente und sediment-proben verstaut, die auf diesem wege zurueck an die wasseroberflaeche transportiert werden. der fahrstuhl muss sicher lokalisiert werden, bevor er 'augeloest' wird. dazu wird ueber ein hydrophon ein akkustisches signal in einer bestimmten frequenz uebertragen. der empfaenger am fahrstuhl registriert dieses signal und loest die verankerung. die angebrachten auftriebskoerper bringen den fahrstuhl dann nach oben. ueber das bereits erwaehnte posidonia-system kann er dann vom schiff geortet werden und wird mit einem der kraene an bord der polarstern gehievt. die wissenschaftler koennen mit ihrer analyse beginnen.
kurz nach sechs uhr geht die heutige mission zuende, fertig machen zum auftauchen. der abstand zur polarstern wird geringer. ich versuche waehrend des auftauchens eine position 50 meter hinter dem schiffsheck zu halten. eine starke stroemung macht haeufige korrekturen noetig, wir lehnen den quest gegen die stroemung um nicht abzudriften. volker koordiniert die windengeschwindigkeit mit unserem auftauchmanoever, zur zeit hievt die winde mit 28 metern pro minute. er sieht muede aber zufrieden aus als er der bruecke bescheid gibt, dass der quest in einer guten stunde an bord geholt werden soll. die mannschaft wird geweckt und versammelt sich mit schwimmweste und schutzhelm ausstaffiert am heckgalgen. maggy aus der schweiz (erster offizier) kommt in ihrer leuchtend-orangen allwetterjacke und ueberwacht das manoever. via funk steht sie permanent in verbindung mit der bruecke.
gegen halb acht steht der quest wieder an seinem platz auf dem arbeitsdeck, ein paar muede und hungrige gestalten machen sich auf dem weg in die 'messe 1' auf dem D-deck. ich frage moni (first stewardess) nach einer extraportion spiegeleier, von beiden seiten gebraten ('hochkant'). sie sieht mich an, ahnt die lange nacht und laechelt.