Schiller-Quest.com

Die Suche geht weiter ... Lange Reisen ist Christopher von Deylen gewohnt. Für sein letztes Album „Sehnsucht“ fuhr er in einem alten Volvo Amazone 20.000 Kilometer von Berlin nach Kalkutta. Nun geht der Komponist auf Expedition. Mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ ist er seit dem 10. Juli in der Arktis unterwegs. Als Mitglied eines Teams um Dr. Volker Ratmeyer vom MARUM, dem Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, packt er mit an, wenn es gilt, die Einsätze des Tauchroboters QUEST durchzuführen. Zudem dokumentiert der Künstler mit Kamera und Camcorder die Aktivitäten an Bord in einem Blog (siehe unten). Unterwegs auf einem modernen Forschungseisbrecher in einer faszinierenden Landschaft – das ist eine spannende Herausforderung. – Am 3. August wird die Expedition unter der Leitung von Dr. Michael Klages vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Reykjavik/Island zurück erwartet.

Samstag, 25. Juli 2009

DER SCHLUESSEL



gestern habe ich in meinem seesack nach einem stueck schokolade gesucht. hatte mich bei der anreise auf dem flughafen in kopenhagen noch mit einem kleinen vorrat eingedeckt. beim durchforsten der vielen faecher stiess ich auf einen metallischen gegenstand, der mir irgendwie bekannt vorkam: mein haustuerschluessel. eigentlich keine besondere entdeckung, trage ich ihn doch normalerweise immer bei mir. hatte ihn aber noch in berlin auf dem weg zum flughafen sicher in einem fach tief in meiner reisetasche verstaut, da ich ihn ja nun fuer eine weile nicht brauchen wuerde.

ein sehr spezielles gefuehl ueberkam mich, als ich nun zufaellig 'bekanntschaft' mit diesem schluessel machte. er erinnert mich daran, dass es ein 'zuhause' gibt, und ich kann nicht mit sicherheit sagen, dass ich auf diesen gedanken gewartet habe. ich bin jetzt zwei wochen auf see - eigentlich keine besonders lange zeit. aber durch die intensitaet um mich herum und die vielen neuen eindruecke kommt es mir vor wie eine kleine ewigkeit. manchmal ueberkommen mich auch durchaus ein paar gemischte gefuehle. aber das gefuehl, 'zuhause' wirklich zu vermissen, war bis jetzt
nicht dabei.

dann finde ich die schokolade. ich breche mir ein stueck ab und geniesse den vollen geschmack. jetzt noch einen espresso. der schluessel kommt wieder an seinen platz, in einem kleinen fach tief in meiner reisetasche.

Freitag, 24. Juli 2009

POLARSTERN VIDEOLOG #05

TAUCHGANG 230



die tauchgaenge des quest werden seit seiner indienststellung im jahr 2003 durchgehend nummeriert. heute, am donnerstagabend um 18:00 steht tauchgang ('dive') nummer 231 an. der vorangegangene tauchgang 230 ist am spaeten mittwochabend zu ende gegangen. die see hat sich etwas beruhigt, in der nacht kam etwas regen auf.

das vom helikopterdeck der polarstern fotografierte bild zeigt den quest beim einholen ('recovery') am ende von tauchgang nummer 230.

ESPRESSO, ESPRESSO!



als ich vor einer guten woche meine gepaeck fuer die fahrt zusammengestellt habe, war das gesamtgewicht ein wichtiges thema. da ich via flugzeug zum start der expedition nach longyearbyen gereist bin, musste ich genau ueberlegen, was ich mitnehme und was ich lieber zuhause lasse.

zum glueck habe ich mich in letzter minute dazu entschlossen, meinen kleinen espresso-kocher einzupacken. eine kleine mokka-maschine aus aluminium, fuer die man jedoch keine herdplatte benoetigt. man kann sie direkt an die steckdose anschliessen. eine super-erfindung! kaum hatte ich den kleinen lebensretter ausgepackt, brach im quest-team euphorie aus und ich blickte in strahlende gesichter: endlich ein richtiger espresso! der filter-kaffee an bord ist zwar sehr gut, aber manchmal gibt ein kleiner starker espresso eben die extra-dosis koffein. gerade bei nachtschichten eine willkommene stimulation. und man kann direkt auf dem arbeitsdeck damit kochen, so dass man sich den weg in die messe sparen kann.

nun koche ich jeden tag ein paar espresso fuer das team, und ab und zu trinke ich natuerlich auch gerne einen. allerdings nicht soviel wie zuhause - dafuer oefter eine tasse tee. passt ja auch besser zum 'zur see fahren'.

Donnerstag, 23. Juli 2009

EIN TAG AUF SEE



tag zehn auf see. nach laengerer fahrt befindet sich die polarstern nun in hoehe des 72. breitengrades, immer noch noerdlich des polarkreises. wir haben die eisfelder hinter uns gelassen, die aussentemperatur betraegt vergleichsweise milde fuenf grad celcius. waehrend des 36-stuendigen transits haben wir die zeit genutzt, uns ein wenig auszuruhen. viele wissenschaftler haben waehrend der ersten woche wenig geschlafen, nicht nur im quest-team wurde im schichtbetrieb gearbeitet.

die naechste grosse station ist der unterwasser schlammvulkan 'hakon mosby'. hier wartet ein komplexes programm auf die wissenschaftler. es sind etliche tauchgaenge geplant, diverse messinstrumente und wissenschafliche geraete sollen auf dem meeresboden plaziert werden. im rahmen des 'loome-projektes' (dazu spaeter mehr) sollen mehr daten und informationen ueber die aktivitaeten dieses schlammvulkans erhoben werden.

UNRUHIGE SEE




obwohl der wind nachgelassen hat, ist die see noch sehr unruhig. die wellen sind recht hoch und die polarstern schaukelt trotz ihres tiefgangs von etwas unter elf metern spuerbar. dies verhindert ein sicheres aussetzen des quest. der urspruenglich fuer heute abend vorgesehene tauchgang muss verschoben werden. das risiko fuer mannschaft und geraet waere zu gross. volker ist in staendigem kontakt mit dem fahrleiter und der schiffsfuehrung, gemeinsam arbeiten sie daran, das wissenschaftliche programm moeglichst vollumfaenglich umzusetzen. unsere 'wetterfroesche' an bord, christian und hartmut (deutscher wetterdienst) prognostizieren eine abnehmende duenung fuer mittwoch.

AUF KAMMER DIE ZWEITE




zum ersten mal bin ich fuer ein paar stunden 'auf kammer'. lege mich mit meinem laptop in die koje und arbeite etwas an neuen klaengen. das schiff schaukelt sanft, und ich nicke kurz ein. es fuehlt sich an wie im tourbus, die gleichmaessigen bewegungen wirken leicht einschlaefernd und irgendwie beruhigend. zwischendurch gibt es immer mal wieder hoehere wellen, so dass man in der koje ein wenig hin- und herrollt. man gewoehnt sich aber schnell daran, und irgendwann faellt einem das schaukeln gar nicht mehr auf. nur die besonders hohen wellen bemerkt man noch, ansonsten ist man eins mit der see. es gaebe ja ohnehin keine alternative.

BRUECKE ZUM GLUECK




da man sich an bord des schiffes frei bewegen kann ('open ship'), gehe ich zwischendurch immer mal wieder auf die bruecke. hier oben kann man heute den wellengang noch deutlicher spueren als weiter unten auf dem arbeitsdeck. lutz (zweiter offizier) steuert das schiff. kurze absprache mit kapitaen schwarze, fuer ein unterwasser-experiment (photonen-messung am 'hakon mosby') am abend muss die polarstern exakt auf position gehalten werden. bei diesem wellengang nicht einfach, aber machbar. spaeter kommt der erste offizier, maggy aus der schweiz dazu ('chiefmate') und uebernimmt das ruder. ich mache mich auf den weg in die messe. tortellini mit tomatensauce stehen fuer heute abend auf dem plan. morgen gibt es dann fischstaebchen mit kartoffelsalat. das glueck kann so einfach sein.

Mittwoch, 22. Juli 2009

DIE POLARSTERN-CREW

Die Mannschaft der Polarstern

was wären die wissenschaftler ohne die schiffsbesatzung? die 45-koepfige crew der polarstern sorgt fuer einen reibungslosen und sicheren ablauf der expedition - freundliche menschen, die eine angenehme und ueberaus gastfreundliche atmosphaere schaffen, auch wenn es mitunter hektisch und konzentriert zu werke geht.

kapitaen schwarze fuehrt die polarstern mit seinen offizieren, die mannschaft kuemmert sich um die maschine, die zubereitung und ausgabe der mahlzeiten und alle arbeitsablauefe an deck. es gibt kranfuehrer, elektriker, den bootsmann und viele helfende haende, die auch beim aussetzen des rov's gefragt sind.

mittlerweile kennt man sich schon etwas besser, und zwischen den stationen gibt es immer wieder etwas zeit fuer kurze gespraeche, die ein streiflicht auf vielfaeltige und oft ungewoehnliche lebenslaeufe werfen. eine sympatische crew, die ihr bestes gibt. fuer das schiff und die wissenschaft.

Dienstag, 21. Juli 2009

36.000 METER UEBER DEM MEER

die polarstern ist mitten auf dem ozean. heute nacht gegen 03:00 uhr werden wir uns auf den weg in richtung 'hakon mosby' machen, einem unterwasser schlammvulkan. die ankunft ist fuer uebermorgen geplant. dann folgt auch der naechste tauchgang des quest.

entscheidend fuer den ablauf des weiteren forschungsprogramms sind unter anderem die wetterverhaeltnisse. wird der seegang zu stark, koennen einige manoever nicht wie vorgesehen durchgefuehrt werden. die forscher muessen umplanen. damit es eine moeglichst genaue wettervorhersage gibt, sind zwei meteorologen vom deutschen wetterdienst aus hamburg mit an bord. christian und hartmut sorgen dafuer, dass besatzung und wissenschaft die situation besser einschaetzen koennen, und dass der kapitaen weiss, was fuer eine wetterlage auf ihn und sein schiff zukommt.

dazu wird jeden tag gegen 12:30 ein wetterballon mit einer mess-sonde gestartet. hartmut oeffnet das rolltor zu einem mini-hangar auf dem helikopter-deck der polarstern. hier wird der ballon praepariert. ein unscheinbares weisses gummi wird auf einer am boden angebrachten duese fixiert. das ventil wird geoeffnet und mit einem zischen stroemt helium in die huelle. wenig spaeter ist der ballon aufgeblasen. heute etwas straffer, da es draussen windig ist und der ballon mehr auftriebsreserve braucht.

dann wird die kleine mess-sonde befestigt. sie verfuegt ueber einen gps-empfaenger und funkt verschiedene daten an die wetterstation auf dem schiff, unter anderem position, luftdruck, temperatur und windgeschwindigkeit. hartmut haelt den ballon fest in der hand und geht auf das offene heli-deck. dann den arm weit ausstrecken und bis drei zaehlen - loslassen. der wetterballon schnellt empor und nach wenigen sekunden ist er in den gerade sehr niedrig haengenden wolken verschwunden.

durch den stetig abnehmenden luftruck vergroessert sich der durchmesser des wetterballons auf seinem weg in die hoehe um ein mehrfaches. er wird bis zu fuenf meter gross, ehe er schliesslich in einer hoehe von circa 36.000 metern platzt. die zerborstene huelle samt sonde faellt irgendwo ins meer, eine bergung ist nicht moeglich. so bleiben unseren meterologen gute zwei stunden zeit, daten zu empfangen. die sonde sendet bis zur letzten minute kostbare daten, die neben der lokalen vorhersage auch wichtige informationen fuer globale modellrechnungen und die prognose des kontinentalwetters liefern. gerade in diesen noerdlichen breitengraden sind wetterballon-aufstiege selten und die daten begehrt. weltweit werden um diese uhrzeit rund tausend wetterballons steigen gelassen.

die lokale wetterprognose wird nun aktualisiert, im bordeigenen intranet kann sie jeder einsehen.

morgen um 12:30 beginnt die prozedur mit einem neuen ballon und einer neuen sonde.

Montag, 20. Juli 2009

GOODIES

An dieser Stelle findet ihr in Zukunft alle Goodies und Freebies, die wir euch im Rahmen von Christophers spannender Expedition zur Verfügung stellen.

» WALLPAPERS



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2500 METER UNTER DEM MEER



es ist dunkel. man spuert nur das vibrieren der schiffsmotoren, hoert das monotone rauschen der klimaanlage. ab und zu ein leises 'beep', wenn der computer eine eingabe quittiert. unzaehlige bildschirme leuchten und tauchen die szenerie in ein fahles licht. das bild erinnert mich an einen weltraum-film. wir befinden uns jedoch nicht in der kommandozentrale eines raumschiffes, sondern im kontroll-container des quest - dem sogenannten 'van'.

der van ist das gehirn des quest-systems. von hier aus wird das rov ferngesteuert, hier wird die hochspannung erzeugt. der van ist mit der polarstern vernetzt, diverse daten werden ausgetauscht. es besteht eine direkte sprechverbindung zur bruecke, weil beide fahrzeuge gemeinsam navigiert werden muessen. ueber das sogenannte 'posidonia' kann die aktuelle position des quest-roboters bestimmt werden. dazu wird das rov mittels spezial-antennen im schiffsrumpf angepeilt. die ausgemachte relative position zum schiff wird dann mithilfe der gps-position der polarstern zur absoluten position des quest interpoliert. da gps-systeme unter wasser nicht funktionieren, ist dieses komplizierte verfahren der einzige weg, das rov zu orten. auf den diversen tauchgaengen muessen exakte positionen ('stationen') angefahren werden, darum ist eine genaue standortbestimmung entscheidend. einer der vielen bildschirme im van zeigt auf einem koordinatensystem die diversen positionen von quest, polarstern und den einzelnen stationen.



ich bin zusammen mit christian, anh, patrick und volker fuer die zweite schicht eingeteilt. sie beginnt um mitternacht und dauert sechs stunden. unternehme den versuch, ein wenig 'vorzuschlafen' und gebe dieses ehrgeizige vorhaben mangels aussicht auf erfolg allerdings schnell wieder auf. mit einem becher kaffee halte ich mich wach und gehe gegen mitternacht zum schichtwechsel in den van.

AUF STATION




der tiefenmesser zeigt 2448 meter. insgesamt acht kameras geben uns ein umfassendes bild von der situation am meeresgrund. einige von ihnen sind via joystick dreh- und schwenkbar ('pan-tilt'). fuer die benutzung der greifarme gibt es ein komplexes eingabegeraet, den sogenannten 'master-arm'. es ist eine miniatur-version des roboterarmes, mit dem man die ausgewachsene version am quest millimetergenau steuern kann. und das ueber eine entfernung von bis zu 5.000 metern. schon erstaunlich.



heute nacht haben wir ein diffiziles programm vor uns. mehrere stationen auf dem meeresgrund muessen 'angeflogen' werden. an den stationen warten instrumente und geraete auf ihren einsatz. sie sind zu einem frueheren zeitpunkt abgesetzt worden. der quest ist nun der verlaengerte arm der wissenschaftler. mit 'push cores' werden sedimentproben entnommen, die dann an bord des quest oder via 'fahrstuhl' (erklaere ich weiter unten) mit nach oben genommen werden. in der hydraulisch ausfahrbaren 'schublade' des rov ist platz fuer weitere biologische- und gesteinsproben.


das anfliegen der einzelnen stationen gestaltet sich mitunter recht komplex. da die sichtweite in der tiefe teilweise nicht viel mehr als 5 meter betraegt, ist eine genaue positionsbestimmung der ziele notwendig. diese kann unter anderem durch peilverfahren oder mittels sonar erfolgen. alle im container anwesenden starren gebannt auf den entsprechenden sonar-bildschirm mit dem charakteristischen orange-farbenen faecher. oft verbirgt sich hinter einem verheissungsvollen signal nur ein grosser stein, dann geht die suche weiter. diese prozedur kann zur echten herausforderung werden. viel geduld und konzentration sind gefragt. wenn sich auf dem high-definition flatscreen im dunkelblau der tiefe die schemen einer zielstation abzeichnen, geht ein deutlich vernehmbares aufatmen durch den van. es ist kurz vor drei uhr morgens. anh und ich gehen kurz in 'messe 2' auf dem C-deck und holen eine frische ladung kaffee. volker und patrick fliegen den quest.

FLUG UM VIER


gegen vier uhr bin ich dran. ich setze mich neben volker an den rechten pilotenplatz. wir sind immer noch in 2.500 meter tiefe. anh und christian sind draussen an der kabelwinde. sie halten 'windenwache'. von zeit zu zeit muss die kabellaenge korrigiert werden, daher ist diese position durchgehend besetzt. ein bildschirm am windenstand gibt aufschluss ueber den fortgang der unterwasser-operation, die verstaendigung zum van funktioniert via sprechfunk.


ich lege meine rechte hand an den 'puck' und fliege den quest in 2 metern hoehe ueber den meeresgrund. mit der linken hand beruehre ich ab und zu den touchscreen, ueber den die geschwindigkeit der thruster-motoren geregelt wird. ein leises 'beep' ertoent. dann richte ich die augen auf den bildschirm-kompass, der die flugrichtung anzeigt. langsam gewoehne ich mich an die reaktionszeiten des quest. die steuerung ist sehr sensibel, da wechselnde stroemungen die lenkbewegungen beeinflussen. eine gewisse traegheit muss beachtet werden. man muss aufpassen, dass man beim fliegen das kabel nicht zu weit verdreht. zum glueck gibt eine anzeige aufschluss ueber den grad der drehung.

es muss kurz mach fuenf sein, die bruecke meldet sich. der wachhabende offizier teilt uns mit, dass ein eisfeld auf die polarstern zutreibt. wir koennen unsere position nicht mehr schnell genug aendern, so dass wir nur eine alternative haben: hoffen, dass es nicht zur kollision der eisschollen mit unserem kabel kommt. dazu wird der 'A-rahmen', ueber den das kabel in die tiefe geht, etwas steiler gestellt. so kommt es naeher ans schiffsheck und ist etwas geschuetzter. mehr kann man im moment nicht tun. die bruecke schickt einen matrosen zur beobachtung ans heck, christian geht ebenfalls auf position und ueberwacht die lage.

FAHRSTUHL IN DIE TIEFE


der zeitpunkt zum auftauchen rueckt naeher, vorher muss ein letztes mal eine station angeflogen werden. der sogenannte 'fahrstuhl' vom max-planck institut fuer marine mikrobiologie in bremen. ein zwei tonnen schweres geraet, welches passenderweise auf den namen 'colossus' hoert. in seinem transportkaefig werden diverse messinstrumente und sediment-proben verstaut, die auf diesem wege zurueck an die wasseroberflaeche transportiert werden. der fahrstuhl muss sicher lokalisiert werden, bevor er 'augeloest' wird. dazu wird ueber ein hydrophon ein akkustisches signal in einer bestimmten frequenz uebertragen. der empfaenger am fahrstuhl registriert dieses signal und loest die verankerung. die angebrachten auftriebskoerper bringen den fahrstuhl dann nach oben. ueber das bereits erwaehnte posidonia-system kann er dann vom schiff geortet werden und wird mit einem der kraene an bord der polarstern gehievt. die wissenschaftler koennen mit ihrer analyse beginnen.

ich fliege in richtung der letzten ausgemachten position des fahrstuhls und naehre mich ihm bis auf ca. 40 meter. das sonar zeigt nun eindeutig die umrisse von 'colossus', so dass der impuls zum ausloesen gegeben werden kann. kurze zeit spaeter verschwindet der schatten auf unserem sonar. eindeutiger beleg dafuer, dass der ausloese-vorgang funktioniert hat. fuer den fall, dass dies einmal nicht funktionieren sollte, koennte man den fahrstuhl auch manuell entriegeln - eine weitere aufgabe fuer den quest.

das eisfeld haben wir inzwischen hinter uns gelassen. laut christian hat eine extra-grosse eisscholle das rov-kabel nur knapp vefehlt. glueck gehabt.

MISSION BEENDET


kurz nach sechs uhr geht die heutige mission zuende, fertig machen zum auftauchen. der abstand zur polarstern wird geringer. ich versuche waehrend des auftauchens eine position 50 meter hinter dem schiffsheck zu halten. eine starke stroemung macht haeufige korrekturen noetig, wir lehnen den quest gegen die stroemung um nicht abzudriften. volker koordiniert die windengeschwindigkeit mit unserem auftauchmanoever, zur zeit hievt die winde mit 28 metern pro minute. er sieht muede aber zufrieden aus als er der bruecke bescheid gibt, dass der quest in einer guten stunde an bord geholt werden soll. die mannschaft wird geweckt und versammelt sich mit schwimmweste und schutzhelm ausstaffiert am heckgalgen. maggy aus der schweiz (erster offizier) kommt in ihrer leuchtend-orangen allwetterjacke und ueberwacht das manoever. via funk steht sie permanent in verbindung mit der bruecke.



gegen halb acht steht der quest wieder an seinem platz auf dem arbeitsdeck, ein paar muede und hungrige gestalten machen sich auf dem weg in die 'messe 1' auf dem D-deck. ich frage moni (first stewardess) nach einer extraportion spiegeleier, von beiden seiten gebraten ('hochkant'). sie sieht mich an, ahnt die lange nacht und laechelt.

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POLARSTERN VIDEOLOG #04

POST SERVICE

Eure Post an Christopher

Vielen Dank für die vielen Emails. Wir haben alle Grüße gesammelt und komprimiert. Christopher hat sich riesig über die Post gefreut und sendet Grüße vom Schiff zurück. Alle Emails können wir hier natürlich nicht veröffentlichen, aber einige Auszüge gibt es dennoch von Zeit zu Zeit auf dieser Seite. Und natürlich freuen sich Wissenschaftler, Schiffscrew und Christopher auch weiterhin über Eure Grüße und Fragen.

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Sonntag, 19. Juli 2009

POLARSTERN IM EIS

KOCHEN MIT PISTOLE

wir haben heute eine 12-stunden tauchfahrt vor uns, von 19:00 uhr bis 07:00 uhr. christian und hoang-anh, unser team-kollege aus vietnam, haben ihre angeln dabei und versuchen am abend ihr glueck. und tatsaechlich: sie fangen mehrere stattliche dorsche. ein matrose der polarstern hilft beim filetieren, und wir moechten den fisch natuerlich so schnell wie moeglich
zubereiten.

doch wie nur? ein offenes grillfeuer auf einem schiff ist sicherlich nicht die beste aller ideen. und wenn uns nicht bald etwas einfaellt, verdirbt der fisch und die muehe war umsonst. da kommt anh die rettende idee. er verschwindet im quest-werkstattcontainer und haelt triumphierenden blickes eine heissluftpistole in der hand. normalerweise werden damit schrumpfschlaeuche erhitzt, um sie zur isolation auf elektrischen kabelverbindungen aufzubringen.

anh wickelt den fisch in alufolie und haelt mit der pistole drauf. nach zwanzig minuten sind die dorsche gar, und mit ein wenig pfeffer und salz ein gelungenes mitternachts-menue.

Samstag, 18. Juli 2009

DER KATALOG



ich bin jetzt fast eine woche auf see, weit weg von dem was man landlaeufig 'zuhause' nennt. eine eigene welt mit eigenen regeln und einem eigenen horizont. manches, worueber man daheim nicht weiter nachdenken wuerde, erscheint einem noerdlich des polarkreises als aeusserst abstrakt.

irgendwer meint es gut und legt jeden tag den ausgedruckten tagesschau-newsletter in messe eins ('roter salon') aus. habe aus versehen einen blick drauf geworden und ueberfliege die schlagzeile 'quelle katalog wird gedruckt'. zweifellos eine sehr positive nachricht fuer alle betroffenen - aus dem arktischen eis heraus betrachtet wirkt sie dennoch bizarr.

beschliesse, an bord keine newsletter mehr zu lesen und ziehe mir meine arbeitskombination an, heute aufgrund sinkender temperaturen mit extra warmer unterwaesche. dann gehe ich aufs arbeitsdeck, wo sich das marum-team schon mit leidenschaft und akkuschraubern am quest zu schaffen macht.

Freitag, 17. Juli 2009

DER ERSTE TAUCHGANG



heute abend ist es soweit - der quest wird seinen ersten tauchgang auf diesem expeditionsabschnitt absolvieren. gleich nach dem fruehstueck des dritten arbeitstages an bord beginnen die letzten vorbereitungen. gehaeuse und leitungen werden auf dichtheit ueberprueft, kameras auf ihre funktion. volker und sein team gehen die lange rov (remotely operated vehicle) pre-dive-checkliste durch.

um den quest mit ausreichend energie versorgen zu koennen, muss an bord mit hochspannung gearbeitet werden. dazu wird von einem transformator im quest-kontrollcontainer eine spannung in hoehe von 3.300 volt erzeugt. diese spannung geht dann durch das gestern ausgeturnte kabel und wird an bord des rov auf die diversen bordspannungen (600 volt fuer die motoren, 240 volt fuer die high-power lights, und 26 volt fuer das sogenannte 'hub', eine art schaltzentrale) zuruecktransformiert. auf diese weise kann man die energie verlustfrei durch die fuenf kilometer lange leitung leiten.

der hintere bereich des schiffes, in dem die marum-container plaziert sind, wird aus sicherheitsgruenden abgesperrt sobald die hochspannung eingeschaltet ist. nur diejenigen, die direkt mit dem quest zu tun haben sollen sich ab jetzt dort aufhalten. die gesichter sind angespannt, aber auch voller vorfreude auf die kommende lange tauch-nacht.

irgendwie wirkt das team wie eine rockband, nicht nur auf dem foto (vlnr: joern-patrick, anh, ralf, ganz hinten mein kammergenosse jerome, michael und christian). jeder hat seine aufgabe und am ende zaehlt ausschliesslich das resultat. teamwork wie auf der buehne. der erste tauchgang soll um 18:00 uhr beginnen. volker teilt uns in zwei schichten ein, sie dauern jeweils sechs stunden.















dann noch ein letzter rundgang um den quest, ein letztes mal die verankerung des kabels geprueft. ein moment der ruhe, die mannschaft steht bereit und wartet auf das zeichen zum launch. oben im bild ist der 'teller' zu sehen, der den quest waehrend des aussetzens stabil am haken haelt. dann startet das launch-manoever. die gewaltige hydraulik am heck des schiffes bewegt den sogenannten A-rahmen (im bordjargon 'heckgalgen') des gelben 'LARS' (launch and recovery systems) mitsamt dem quest erst in die hoehe und dann langsam in richtung heck.

anh aus vietnam bedient die seilwinde, so dass immer genug kabel nachgegeben wird. in der heckposition verharrt der quest fuer kurze zeit und scheint vor dem tauchgang noch einen letzten blick auf die meeresoeberflaeche zu werfen. ein schwimmender schwarm von eissturmvoegel verfolgt das schauspiel aeusserst interessiert.

















dann fangen die hydraulikpumpen der polarstern wieder an zu arbeiten, die seilwinde wird aktiviert. der quest wird ins wasser gesetzt. durch seinen roten auftriebskoerper schwimmt er jetzt wenige zentimeter unter dem meeresspiegel. die horizontalen thruster-motoren werden gestartet, langsam bewegt sich der quest weg vom schiff. noch einmal verharrt er kurz. der eissturmvoegel-schwarm beschliesst, sich davonzumachen. dann werden die drei vertikalen thruster-motoren aktiviert und in einer fontaene aus schaum und gischt verschwindet der quest in richtung tiefe.



ein beeindruckender moment. das deck wirkt auf einmal sehr verlassen - stand der quest doch von anbeginn der reise an seiner festen position. nun befindet er sich auf dem weg in richtung meeresgrund. im kontrollcontainer, dem 'van', kann man nun das schauspiel aus sicht der diversen quest-kameras verfolgen. ein tiefblaues nichts, ab und zu eine rote tiefseegarnele und viele sinkstoffe ('marine snow'). im windenleitstand der polarstern hat marcel eine grosse leinwand samt beamer installiert, das 'kino'. dort koennen interessierte das video-signal der diversen kameras verfolgen. das kino ist auch spaet in der nacht noch gut besucht, knapp zwanzig wissenschaftler sehen dem quest bei seiner ersten mission zu.
der tiefenmesser zeigt schon ueber tausend meter, die winde gibt pro minute ca. 20 meter stahlkabel ab. nach einer stunde ist der quest auf dem meeresboden in ca. 2.100 m tiefe angekommen.

nun beginnt die eigentliche arbeit...



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Donnerstag, 16. Juli 2009

LETZTE VORBEREITUNGEN

tag zwei an bord. letzte nacht wieder wenig geschlafen. zu beeindruckend waren die bilder von der polarstern im eis. die sonne scheint, ein makelloser blauer himmel erwartet uns heute morgen. das schiff liegt quasi laengsseits zu einem grossen eisfeld. eine surreale szenerie. vor allem bei dem gedanken, dass es erst der zweite tag an bord ist. alles ist schon so vertraut, so dass ich mir nur mit muehe vorstellen kann, vor ein paar tagen noch in deutschland gewesen zu sein...aber heute ist zum glueck heute, und nach dem fruehstueck (07:30 bis 08:30) geht es aufs arbeitsdeck zum quest.

das neue stahlkabel wird heute aus- und wieder eingerollt (siehe 'willkommen auf der polarstern'). dazu wird das kabelende mit einem gewicht beschwert und an unserer position (meerestiefe ca. 5.500 m) in die tiefe des ozeans abgelassen. waehrend des abwickelns wird lage um lage des verbliebenden kabels mit einem gruenen farbstreifen besprueht. auf diese weise kann man beim einholen erkennen, wie stark die verwindungen waren. da von dem farbstreifen kaum etwas uebrig bleibt, scheinen sie tatsaechlich enorm gewesen zu sein. man kennt das von einem verdrehten telefonkabel. nur mit dem unterschied, dass auf dem quest-kabel wesentlich mehr kraefte lasten.



beim wiedereinholen wird das stahlseil mit suesswasser 'gewaschen', um es vom salzwasser zu reinigen. auf diese weise wird korrosion vorgebeugt, die dem stahlkabel sonst gefaehrlich werden koennte. der komplette vorgang dauert ca. fuenf stunden. der quest wird parallel fuer seinen ersten tauchgang auf dieser expedition vorbereitet, der am naechsten tag um 18:00 beginnen soll.



im laufe des nachmittages aendert die polarstern ihre position, so dass sich vom oberdeck aus ein weiteres mal das beeindruckende schauspiel des 'eisbrechens' erleben laesst. links und rechts des schiffes tun sich schimmernde eisfelder auf, durch die wir nahezu lautlos hindurchgleiten.

ein weiteres mal scheint alles andere ganz weit weg...

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AUF KAMMER

so heisst es hier, wenn man sich in seiner kajuete aufhaelt. allerdings bin ich relativ selten 'auf kammer', eigentlich nur zum schlafen. zum glueck kann man mit einem rollo die fenster gut verdunkeln. da es draussen ja nicht dunkel wird, bekommt man so wenigstens etwas schlaf. 'auf kammer' gibt es auch einen kleinen kuehlschrank, in dem ich die getraenke-vorraete lagere. der kantinen-shop hat nur an bestimmten wochentagen fuer eine viertelstunde geoeffnet, so das man gut vorausplanen muss. seeluft macht ja bekanntlich sehr durstig...

Mittwoch, 15. Juli 2009

ALLE FORSCHER AUF EINEN BLICK

Die Wissenschaftler auf Polarstern

meeresforschung ist international und national zwischen den instituten eng vernetzt, nur so können die besten ergebnisse erzielt werden. waehrend der letzten tage hat amandine vom franzoesischen institut UPMC alle wissenschaftler an bord fotografiert, um das 'scientists-poster' zugestalten. so kann man sich die namen besser merken, und man hat auch einen guten ueberblick, wer von welchen forschungsinstituten kommt. als mitglied des quest-teams vom bremer marum, bin ich mit auf dem poster.

POLARSTERN VIDEOLOG #03

DAS MINI-STUDIO

mittlerweile konnte ich mein kleines mini-studio an bord der polarstern einrichten. ich hatte einen teil der ausruestung schon vorab via marum-container verschifft, den rest habe ich bei der anreise mitgenommen. mein 'arbeitsraum' befindet sich auf dem A-deck und hat einen sehr schoenen ausblick aufs meer. zwischendurch sitze ich hier und arbeite an neuen ideen, bin selber mehr als gespannt auf das resultat.